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Handelsblatt: Ein Computer als Überlebenskünstler |
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Eine ostdeutsche PC-Manufaktur beliefert Erdbebenforscher und will mit den robusten Geräten nun auch Werkshallen erobern. von Stefan Merx
Auf dem Schreibtisch von Dietmar Schulz steht eine unscheinbare Metallbox, kaum größer als ein Karton für Kinderschuhe. Vorne mattglänzend, ringsum schwarz, wasserdicht. Eine Box, auf die Schulz stolz ist. "Gerade kam ein Auftrag aus Nicaragua", sagt er unaufgeregt. "Zwölf Stück für ein geophysikalisches Institut." Der Geschäftsführer der alpha 2000 GmbH hat noch große Pläne für das kleine Wunderding, das da lautlos vor sich hin rechnet.
Einsatz im Eis
Eine Innovation made in Ostdeutschland: ein nahezu unverwüstlicher Rechner, der unter den härtesten Bedingungen seine Leistung bringt. Seiscomp haben die Ingenieure der alpha 2000 GmbH aus Sachsen-Anhalt ihre Entwicklung getauft: Seismological Communication Processor. Ein dezenter Hinweis auf den Haupteinsatzort: Die Computermanufaktur fertigt die Mini-Rechner für Extremstandorte. Im Dienste der Erdbebenforschung stehen die robusten Teile samt Erschütterungsmesser ganz allein in entlegenen Gegenden - versorgt über externe Akkublocks oder Solarmodule. Fernab der Zivilisation funktionieren die staub- und wasserdichten Geräte genügsam und fehlerfrei - ganz gleich ob in feuchten Höhlen, auf grönländischen Gletschern oder im Regenwald des Amazonas. Über Funk senden sie ihre Daten an die auswertenden Rechenzentren.
Rund 270 Geräte hat das kleine Unternehmen bisher in alle Welt geliefert. Die meisten davon gingen nach Russland, doch auch Norweger, Spanier und Rumänen stehen auf der Kundenliste. So richtig wohl fühlen sich die Rechner offenbar dort, wo jeder normale Computer den Dienst quittiert. Und genau das macht sie interessant auch für andere Anwendungen, etwa in der industriellen Fertigung, wie der umtriebige Unternehmer hofft. "Wir arbeiten derzeit daran, dieses Geschäftsfeld zu erweitern", sagt Schulz. Von mobilen Anwendungen in Autos bis hin zum Einsatz als Internet-Terminal in fetttriefenden Küchen sei alles denkbar. "Als PC-Terminal an schmutzigen Werkbänken taugt es beispielsweise ideal", sagt der Ingenieur.
Das unverkrampfte Nachdenken über über mögliche Anwendungsfelder ist Prinzip bei Schulz. "Schließlich war der Seiscomp auch nicht strategisch von langer Hand geplant." Es ergab sich eben - wie so manche Innovation - eher zufällig. "Wir haben für das Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam vor drei Jahren den ersten Prototypen entwickelt", so Schulz. "Das war anfangs eine echte Garagentüftelei unseres Filialleiters in Werder bei Potsdam." Mittlerweile sind die Geräte in der Erdbebenforschung weltweit anerkannt. Mit der Linux-basierten Technik will sich das GFZ von vorhandenen Insellösungen unabhängig machen. Es soll zu einer Austauschbarkeit der Daten in einem erdumspannenden Netz von Messstationen kommen.
Für das stetige Analysieren, Speichern und Weiterleiten der Geodaten genügt eine Rechenleistung, die einem Pentium-Rechner entspricht. Dafür braucht das wahlweise mit Festplatte oder Speicherkarte ausgestattete Gerät nicht einmal zehn Watt Strom - weit weniger als eine schwache Glühbirne und ein Zehntel dessen, was herkömmliche PC verbrauchen. "Für die Stromversorgung taugen auch Solarmodule oder Autobatterien", sagt Schulz.
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