| Leipziger Volkszeitung: Rechner für alle Lebenslagen |
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Das Kunstwerk steht in einer Vitrine des Besprechungszimmers und ist kaum größer als ein Karton für Kinderschuhe. An der Vorderseite glänzt eine Metallplatte, aus der Anschlüsse und Lämpchen ragen. Der Rest ist mit Kunststoff ummantelt. „Das System ist dicht“, sagt Matthias Brühl stolz. Und erzählt mit verschmitztem Lächeln, dass es auch unter Wasser funktionieren müsste. Garantie gibt der IT-Dienstleister alpha 2000, dessen Geschäftsführer Brühl ist, bei seinem Seiscomp allerdings nur gegen Spritzwasser. Denn das kommt an den Standorten, an denen der Seismological Communication Prozessor eingesetzt wird, durchaus vor. Hauptanwendungsgebiet des geschlossenen und lüfterlosen Computers, dem weder Fett noch Staub, Sand oder Wasser etwas anhaben können, ist zurzeit die Erdbebenforschung. Für das Potsdamer Geoforschungszentrum hatte alpha 2000 vor einigen Jahren einen Prototypen gebaut. „Mittlerweile sind weltweit 400 Systeme im Einsatz“, sagt Brühl. In feuchten Höhlen, auf grönländischen Gletschern, im Regenwald des Amazonas und seit kurzem auch als Bestandteil des Tsunami-Frühwarnsystems in Asien. Das Gerät ist effizient und genügsam: Für das Analysieren, Speichern und Weiterleiten der Geodaten reicht eine Rechenleistung, die einem Pentium-PC entspricht. Dafür benötigt der Seiscomp nicht einmal zehn Watt Strom – „weniger als ein Zehntel des Bedarfs normaler Computer“, betont Brühl. Und hat ein Foto zur Hand, auf dem eine Seiscomp-Station mit Solarmodul zu sehen ist. Die Eigenentwicklung ist nahezu konkurrenzlos: „Ich kenne weltweit nicht eine Hand voll Firmen, die solche Geräte herstellen“, sagt Brühl. Der Preis für den Seiscomp liegt je nach Ausstattung um die 1800 Euro. Damit komme der kleine Rechner noch für andere Anwendungen in Frage. In der industriellen Fertigung etwa, wo es oft schmutzt und staubt, oder als Internet- und Bestellterminal in fetttriefenden Küchen. „Wir wollen dieses Geschäftsfeld ausweiten“, sagt Brühl. Denn im Umsatzvolumen der alpha 2000– im letzten Jahr waren es gut sechs Millionen Euro – machen die Seiscomp-Bestellungen nur einen kleinen Teil aus. Das 1990 von Brühl ursprünglich als kleiner PC-Einzelhandel gegründete Unternehmen, das mittlerweile 45 Mitarbeiter beschäftigt, versteht sich als professionelles Systemhaus für Geschäftskunden. Von den Standorten Leipzig, Halle – wo Brühls Geschäftsführungspartner Dietmar Schulz 1991 als Einzelhändler startete – und Werder bei Potsdam betreut alpha2000 über 3700 feste Kunden. Die Palette der Leistungen reicht dabei von der Planung und Beratungüber die Beschaffung, Installation und Strukturierung bis zur Wartung und Reparatur von Computer- und Netzwerklösungen. Zu den direkten Auftraggebern gehört auch die Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft, als Projekt-Partner hat alpha 2000 unter anderem für den MDR, den Flughafen Leipzig/Halle und Großkonzerne wie Siemens, BMW und die VW-Tochter Auto 5000 in Wolfsburg gearbeitet. In Schleswig-Holstein hat die Firma wesentlichen Anteil an einer landesweiten Jugendschutzlösung für Schulen und Bildungseinrichtungen, liefert Software und stellt kontinuierliche Online-Updates sicher. Überhaupt wachse das Geschäft zurzeit „sehr schnell über die Region Mitteldeutschland hinaus“, betont Matthias Brühl. Bundesweit gefragt seien vor allem IT-Beratungsleistungen: „Da steckt Potenzial drin.“ Im Kleinen kümmert sich der alpha2000-Geschäftsführer selbst darum, Potenziale zu heben. Das Unternehmen hat den „Kunstpreis Europas Zukunft“ gestiftet, der den Brückenschlag zwischen West und Ost und das Zusammenwachsen der Regionen mit der Prämierung junger Künstler fördern will. Über den diesjährigen Preisträger, der am 6. September in der Galerie für Zeitgenössische Kunst ausgezeichnet wird und dann dort ausstelt, will Brühl noch kein Wort verraten. Dass er wie seine Vorgänger aus Osteuropa kommt, sei „nicht unwahrscheinlich“, sagt der alpha2000-Chef – und stellt sein eigenes kleines Kunstwerk wieder in die Vitrine des Besprechungszimmers. Lars Radau |